ATHENE-TOUR
 
Frühstück mit Delfinen

 

ISBN 3-937290-55-9
Engeldorfer Verlagsgesellschaft
293 Seiten, 26 Farbbilder

Preis 18,90 €

Aus dem Inhalt:

Einen Bourbon zur Anmeldung  

Mysteriöser Kutter  

Sternschnuppen und Robert  

Fischfang und Neptuns Rache  

Dieselblues und Salsa  

Juan und der Dieb  

Symphonie in Blau  

Sturmzeit  

flottes Schiff, rollendes Schiff  

Traumziel Caledonian Canal  

Steinkreis und Whisky  

Nordsee Wahrzeichen    

 

 

Nach vier Jahren Vorbereitung warfen wir im Sommer 2002 die Leinen los, um unseren Traum vom Blauwasser Segeln zu verwirklichen. Die Reise führte von Holland über die Nordsee nach England. Der Biscaya mit den ersten Nachtfahrten unseres Seglerlebens, folgten die traumhaften Rias Spaniens und das wunderschöne Portugal. Nach fünf unvergesslichen Tagen und Nächten auf See - und einem Frühstück mit Delfinen - tauchte schließlich die Kanareninsel Lanzarote am Horizont auf. Nach einem Winterhalbjahr unter der warmen kanarischen Sonne führte die Reise im darauffolgenden Frühjahr zur Blumeninsel Madeira. Wieder zurück in Nordspanien wurde ein weiterer Traum Realität, Irland und Schottland.

Nachfolgend einige Auszüge aus dem Buch:

Verregneter Start

Südwestliche Winde treiben dunkle Regenwolken vor sich her, wie wachsame Hirtenhunde die ihnen anvertrauten Schafe. Leichter Regen fällt, für Anfang Juli ist es kühl in Holland. Am Bug bereitet Beate die Leinen zum Ablegen vor, sie trägt warme Segelkleidung. Segeln unter blauem Himmel, in blauem warmem Wasser, nur mit Shorts und T-Shirt bekleidet, wird für heute ein Traum bleiben. Aber es ist ein Traum, für den wir jetzt ablegen, der nun Wirklichkeit werden soll.

Ein Stegnachbar steht im Cockpit seines Schiffes und schaut uns interessiert zu, wie wir nach und nach alle Leinen vom Steg lösen und aufs Deck legen. Er zögert nicht lange, kommt zu uns hinüber und bietet Hilfe an: „Wohin soll es denn gehen?“ Wahrscheinlich denkt er sich, wie verrückt doch manche Leute sind bei diesem Wetter loszufahren, man sollte besser mit einer schönen heißen Tasse Kaffee im Schiff sitzen und ein Buch lesen. Beate, die soeben kniend eine Leine von der Bugklampe löste, richtet sich auf, sie hörte ihn nicht kommen. Etwas irritiert antwortet sie: „Ja, äh, zu den kanarischen Inseln“. Die Antwort überrascht ihn sichtlich, ist das nun eine ironische Anspielung auf das Wetter oder die Wahrheit? „Zu den Kanaren? Oh, na dann gute Reise“.

Seit Frühjahr laufen unsere Vorbereitungen auf Hochtouren, letztes notwendiges Zubehör kaufen und das Schiff zu Wasser bringen. Das Auto ist abgemeldet, die Post zu Freunden umgeleitet, die Wohnung unter Aufsicht. Ein Segler sagte uns vor einigen Jahren, das Schwierigste an der Langfahrt ist abzufahren. Es gibt so viele Gründe, warum man nicht losfahren kann. Dieser Satz ist für uns heute besser zu verstehen. Irgendwann erreicht man tatsächlich einen Punkt, an dem man sich fragt, ist das wirklich eine gute Idee, ein Jahr Segeln?

Von Falmouth querten wir die Biscaya auf direktem Weg nach La Coruna. Zu diesem Zeitpunkt waren wir noch nie zuvor nachts gesegelt...

1.Seetag auf der Biscaya

Die englische Küste verliert sich langsam im Dunst achteraus, weiter westlich ist Lands End schemenhaft zu erkennen, letzte Landsicht für die nächsten drei Tage. Unter vollen Segeln gleitet ATHENE bei strahlendem Sonnenschein durch das blaue Meer, ein Bilderbuchstart.

Der anfängliche Kurs beträgt 235 Grad, solange bis wir den Längengrad von La Coruna erreicht haben, dann drehen wir nach Süden ab. Die alte Strategie der Großsegler war, weit nach West zu segeln, um auf die gefürchteten Süd-West Winddrehungen reagieren zu können. Wir vertrauen auf die Vorhersage mit Nordwest Wind und segeln den direkten, kürzeren Weg.

Das größte Problem der nächsten Tage wird ausreichender Schlaf sein, Beate hat sich bereits zu einem Mittagsschlaf hingelegt. Zur Zeit segeln wir auf 108 m Wassertiefe, die Sonne hat den Vorschiffsbereich verlassen und erwärmt jetzt das Cockpit, T-Shirt segeln. Großschifffahrt ist kaum zu sehen, die wichtigsten Knotenpunkte liegen bereits zu weit nördlich.

Unser erster Angelversuch auf der Biscaya hat den Verlust des teuersten Köders zur Folge, Neptun hat jetzt sein Opfer. Inzwischen ist es Abend, die Luft ist klar, der Himmel über uns tiefblau. Im Westen steht die Sonne sehr niedrig, jeden Moment wird sie den Horizont berühren, eine scharfe, leicht gekrümmte Linie, eine, die uns zeigt, wo unsere Welt endet und das Universum beginnt. Der Bereich dazwischen ist in intensiv rotes Licht getaucht, der mit zunehmenden Abstand von der Sonne in schwarz übergeht. Die Luft ist warm, vom Bug ist ein leichtes Rauschen der Wellen zu hören. Es ist ein Traum, ein Geschenk hier zu sein, wie oft haben wir vom Segeln in die Abendsonne auf einem Ozean geträumt, nun ist es Realität geworden. Der Atlantik zeigt sich von seiner ruhigsten Seite, wir empfinden Dankbarkeit für diesen Anfang.

2. Seetag

Die Augen sind klein, die Gespräche kurz, die Körperhaltung lässt zu wünschen übrig, gähnen. Klingt wie nach einer Party bis tief in die Nacht, aber nein, es ist der Zustand der Crew nach 24 Stunden segeln. Wir fahren jetzt eine heiße Salonkoje, sobald der eine aufsteht, freut sich der andere auf die vorgewärmte Schlafgelegenheit. Gegen Mittag sind wir ausgeschlafen und mit der Bilanz des Vortages sehr zufrieden, 133 sm wurden zurückgelegt.

Nach Spaghetti Carbonara folgt Position a la Sextant. Jetzt offenbart sich der Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Mit Kurs Südwest verdeckt das Vorsegel den besten Platz, am Mast, zur Messung der Mittagsposition. Zuerst probiere ich am Bugkorb eine Positionsbestimmung, gebe den Versuch aber schnell wieder auf, dort ist es mir zu wackelig. Dann setze ich mich aufs Deck und versuche unter dem Vorsegel hindurch eine Position zu bestimmen, auch diese Idee ist kein Erfolgsschlager. Warum müssen wir auch unbedingt mit einem kleinen Boot fahren? Vor dem inneren Auge sah ich mich immer in aufrechter Haltung, den Sextanten fest in Händen, ganz souverän die Messung durchführen. Jetzt verdeckt entweder ein Schiffsteil den Blick zur Sonne oder mein Beobachtungsplatz ist mit einer guten Chance auf über Bord fallen verbunden. Angeleint gehe ich schließlich wieder zum Bug, setze mich weit vorne aufs Deck und versuche mein Glück. Wie gut, dass es Satellitennavigation gibt, mein Respekt vor Seglern, die ohne diese Hilfe fuhren, ist in den vergangenen Minuten gewaltig gewachsen. Die Berechnung ergibt einen Fehler von 30 sm zum tatsächlichem Standort, weitere Übung ist erforderlich. War die erste Nacht auf See ausgesprochen schön, so hat die zweite das Attribut unheimlich...

Nach einem Winterhalbjahr auf den kanarischen Inseln und Madeira, kehrten wir im Frühsommer nach Nordspanien zurück. Von La Coruna durchsegelten wir die Biscaya ein weiteres Mal mit Kurs Irland, jedoch überraschte dieser Törn mit einer ernsthaften Schwierigkeit. In Arklow, einer Kleinstadt südlich von Dublin legten wir nach 550 Seemeilen an. Die irischen Segeler waren total begeistert, bisher war noch niemand nonstop von La Coruna bis Arklow gesegelt.

Arklow - Irland

„Heute erlebt ihr einen richtig typischen Sommertag in Irland“, witzelt Breffni auf der Fahrt zu seinem Haus, es ist seit Stunden am regnen. Breffni fährt für meine Begriffe den Wagen von der Beifahrerseite aus, während ich auf der Fahrerseite sitze. Da hier alles irgendwie anders ist, fährt er konsequenterweise auch auf der falschen Seite und alle machen mit.

Leider ist durch Regen und Dunst nicht viel zu sehen. Ich höre schon, wie uns die Iren vorschwärmen werden, wie schön es hier ist, wären wir nur früher gekommen. Die Fahrt führt durch viele kleine Orte, genau wie man sich Irland vorstellt. In Wexford biegen wir ab, die Gegend wird noch ländlicher. „Schade, dass ihr nicht mehr Zeit habt“, sagt Breffni, „es ist so toll hier, die Berge, die Täler, alles ist grün. Am schönsten finde ich die Gegend am Abend, kurz vor Sonnenuntergang, es ist dann alles in verschiedene Farben getaucht, von rot bis grün.“ Er biegt in eine kleine Einfahrt ab und wir sind da. Das Haus liegt am Rande eines Waldes, umgeben von Feldern und einem Fluss, der nahe am Haus vorbei fließt. Der Wind rauscht in den Bäumen, Vögel zwitschern, das gleichmäßig rauschen des Wassers, eine Idylle.

Zuerst begrüßt uns Sam, ein Hund in Pflege. Sandra heißt uns willkommen und stellt uns ihre Kollegin Mary vor. Kurze Zeit später gesellt sich mit Toni eine zweite Kollegin hinzu, sie ist Australierin und arbeitet als Apothekerin in Arklow.

Uns gefällt das Haus, ein geräumiges Wohnzimmer mit einem Kamin, der fast Stehhöhe hat, große Fenster zu Wald und Wiesen. Die Küche ist gleichzeitig auch Esszimmer, da wo es Essen gibt, finden wir es sowieso immer gemütlich.

Im Wohnzimmer sitzend, beginnen die drei Damen eine Diskussion. „Es ist eine Betriebsversammlung“, murmelt Breffni spöttisch, „die haben ein Problem, es wurde Geld gestohlen.“ Sandra erzählt uns, jemand kam in die Apotheke, ging bis zum Ende hindurch, dort eine Treppe hinauf zur nächsten Etage, weiter zu einem Schrank, öffnete eine Schublade und nahm 8.000 Euro heraus. Schließlich greift die Person in eine Kiste und entwendet Parfüm im Wert von 800 Euro und verschwindet mit der Beute. Es gibt ein Videoband, auf dem eine Frau zu sehen ist, aber nur undeutlich, sie trägt ein Kopftuch. Ein wenig Sarkasmus kann ich mir auch nicht verkneifen: „Jeder weiß, man geht in einer Apotheke in den ersten Stock, öffnet einen Schrank, zieht eine spezielle Schublade, nimmt das Geld und geht davon.“ Breffni nickt mir zu: „Klar, inside job.“

Der Nachmittag ist sehr kurzweilig, es werden Geschichten aus der Nachbarschaft erzählt, von einer Frau, die genauso kläfft wie ihre Hunde, von langen Winterabenden, von der Isoliertheit der Insel. Immer wieder machen sie uns ihren Missmut gegenüber Engländern deutlich, die Abneigung scheint tief in der irischen Seele zu sitzen. Zu Schotten ist das Verhältnis besser, sie kämpften ebenfalls gegen die Vorherrschaft von Engländern.

 

Das Buch ist auch über Amazon zu beziehen, dort finden Sie einige Rezensionen.